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Neues Betriebssystem Windows 8 gestartet
Microsoft hofft auf das Metro-Mosaik
Die neue Windows-Version 8 ist Microsofts vielleicht wichtigstes Projekt. Es soll der in die Jahre gekommenen Betriebssystemfamilie einen Neuanfang ermöglichen - und dem Unternehmen den Weg in den Tablet-Markt öffnen. Für die Kunden bedeutet die radikal veränderte Bedienoberfläche eine große Umstellung.
Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles
Computer und Windows, das gehörte jahrelang zusammen wie Papier und Bleistift. Microsofts Betriebssystem Windows war der Standard, vor allem bei beruflich genutzten Computern in Unternehmen. Weltweit laufen geschätzt eine Milliarde Computer mit Windows. Oder in den Worten von Microsoft-Chef Steve Ballmer: "Windows ist das Rückgrat der Firma."
Rettungsanker für Microsoft: Windows 8 startet
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
26.10.2012 08:23 Uhr
Wachstum findet anderswo statt
Und doch droht der Absturz: Der PC-Markt wächst nicht mehr, er schrumpft. Im vorigen Quartal ist Microsofts Gewinn um 22 Prozent eingebrochen. Wachstum findet anderswo statt: Google ist mit seiner Suchmaschine groß geworden, Amazon über das Verkaufen von Inhalten. Und Apple wurde mit mobilen Geräten wie iPhone oder iPad zur wertvollsten börsennotierten Firma der Welt. Allein mit dem iPhone verdient Apple mehr Geld als die gesamte Firma Microsoft mit all ihren Produkten zusammen.
Radikal veränderte Oberfläche
Windows 8 soll die Wende bringen. Die neue Version kommt mit einer ganz neuen Oberfläche. Metro heißt sie und besteht aus farbigen Flächen, sogenannten Kacheln, die den Bildschirm wie ein buntes Mosaik bedecken. Wer sie anklickt, gelangt zu seinen E-Mails, zu Fotos oder zu Facebook. Im Grunde ist das eine Oberfläche für ein Gerät, das man mit den Fingern bedient - also wie bei einem iPad oder anderen Tablet-Computer, nur eben auf den normalen Standcomputer oder Laptop übertragen.
"Mit Windows 8 haben wir Windows komplett neu entworfen, von den Chips bis zur Bedienung. Die Benutzerführung macht keine Kompromisse: Das Beste vom PC, das Beste vom Tablet", meint Ballmer.
Microsoft geht also bewusst einen anderen Weg als die Firma Apple, die strikt trennt zwischen Mac-Betriebssystem für die klassischen Computer und iOS für die mobilen Geräte. Für Technik-Journalist John C. Dvorak geht Microsoft in die falsche Richtung: "Am Anfang haben sie das normale Windows genommen und aufs Handy gebracht, und man musste es mit einem Stift bedienen. Und jetzt sagen sie: Das hat nicht funktioniert, also machen wir es umgekehrt und bringen ein Telefon-Betriebssystem auf den Desktop. Ich verstehe einfach nicht, warum jedes Gerät dieselbe Oberfläche haben muss."
Microsoft bringt Windows 8 mit großer Werbekampagne auf den Markt
tagesschau 12:00 Uhr, 26.10.2012, Hanno Christ, RBB
Strategisch gesehen setzt Microsoft wohl darauf, dass die Leute sich im Büro an die neue Oberfläche gewöhnen und dann eher dazu tendieren, auch privat ein Windows-Tablet statt ein iPad zu kaufen. Deshalb kommen gleichzeitig mit dem neuen Betriebssystem auch die ersten Windows-8-Tablets in den Handel. Sie tragen den bezeichnenden Namen "Surface", also "Oberfläche". Smartphones mit derselben Oberfläche sollen bald folgen.
Ein hohes Risiko?
Doch was ist, wenn die Strategie nicht aufgeht und die neue Oberfläche eher noch die treue Stammkundschaft abschreckt? Nick Wingfield von der "New York Times" findet, dass Microsoft ein hohes Risiko eingeht: "Es gibt eine gewisse Einstiegshürde, wenn man die neue Oberfläche mit Tastatur und Maus bedient. Die große Frage ist, ob die Kunden diese Hürde nehmen wollen und ob sie die Oberfläche produktiv finden, vor allem wenn man bedenkt, dass sie Windows ja oft nicht privat, sondern beruflich nutzen."
Trotzdem wird sich Windows 8 gut verkaufen. Es liegt vielen neuen PCs automatisch bei, und Microsoft setzt so in jeder Sekunde etwa sieben neue Windows-Lizenzen ab - noch. Ob Windows 8 für die Firma wirklich die Wende und neues Wachstum bringt, das werden die Verkaufszahlen für die neuen Tablets zeigen. Die Hürde liegt hoch: Allein von seinem iPad hat Apple bereits 100 Millionen Exemplare verkauft.
Stand: 26.10.2012 08:42 Uhr
