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Internationale Auto Show in Detroit
Mit deutschen PS aus der US-Autokrise
Die Internationale Auto Show in Detroit wird von großen Erwartungen und viel Optimismus begleitet. Die Krise der US-Autoindustrie scheint überwunden. Viele Amerikaner wollen sich wieder ein neues Auto anschaffen. Davon profitieren vor allem die deutschen Autobauer.
Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkkorrespondent Washington, zzt. Detroit
Wer Amerikaner nach dem Image deutscher Autos fragt, der erntet meist Superlative und strahlende Augen: "Ich liebe deutsche Autos!", schwärmt der Chef der Auto Show von Detroit, Rod Alberts: "Alles, was sie auf den Markt bringen - ich liebe ihre Produkte!"
Deutsche Ingenieurskunst, Präzision und die Geschwindigkeit der Autobahn hatten stets einen guten Ruf in Amerika. Doch früher galten deutsche Autos als Luxus, den sich nur wenige leisten können. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Dank der kostengünstigeren Produktion in amerikanischen Autowerken haben die deutschen Hersteller innerhalb von sieben Jahren ihren Marktanteil in den USA von fünf auf neun Prozent fast verdoppelt.
Deutsche Autobauer vermelden Absatzrekorde auf dem US-Markt
tagesschau 17:00 Uhr, 14.01.2013, Stefan Niemann, ARD Washington zzt. Detroit
2012 war ein Rekordjahr: 1,3 Millionen deutsche Fahrzeuge wurden in Amerika verkauft. Jedes dritte davon war ein VW. Für Volkswagen-Chef Martin Winterkorn vor allem ein Verdienst der drei Bestseller-Marken: "Der Hauptgrund war sicher, dass wir mit dem Passat, den wir hier in den USA herstellen, sehr erfolgreich waren. Ein großer Erfolg ist auch der Jetta und natürlich der Beetle."
Wie in den legendären Käfer-Zeiten der Siebzigerjahre ist es VW somit gelungen, in den amerikanischen Massenmarkt vorzudringen. Jeder Passat, der im neuen Werk in Tennessee vom Band lief, wurde auch verkauft. Zumal der amerikanische Passat größer als sein deutscher Bruder und 5000 Euro billiger ist.
Testlauf für den neuen VW "Crossblue"
Bis 2018 will Winterkorn VW zum weltweit erfolgreichsten Autohersteller machen - vor Toyota und General Motors. Dabei helfen soll ein neuer Geländewagen mit sieben Sitzen, genannt "Crossblue". Der zwischen Tiguan und Touareg angesiedelte Wagen wird in Detroit erstmals vorgestellt: "Wir machen im Laufe der Woche den Test hier in den USA, wie das Fahrzeug ankommt, wie die amerikanischen Kunden darauf reagieren", sagt VW-Chef Winterkorn. "Und wenn die Reaktion positiv ist, werden wir ihn bauen."
Volkswagen-Chef Winterkorn zur Zukunft der deutschen Auto-Industrie
ARD-Morgenmagazin, 14.01.2013
Doch auch Mercedes, BMW, Audi und Porsche vermelden Absatzrekorde auf dem amerikanischen Markt. Auch für 2013 sieht es gut aus. Denn aufgrund der schweren Wirtschaftskrise in den USA haben die Amerikaner Nachholbedarf, sagt Justin Hyde, Chefredakteur des Autoblogs "Motoramic": "Das Durchschnittsalter amerikanischer Autos liegt bei zehn bis elf Jahren. Es gibt also großen Nachholbedarf für Neuwagen, von dem viele Hersteller profitieren wollen."
Ein Stück von diesem Kuchen will auch Mercedes. Die Stuttgarter stellen in Detroit ihre völlig erneuerte E-Klasse und das neue Kompaktmodell CLA vor. "Wir werden eindeutig als die Premium-Marke schlechthin gesehen", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. "Wir haben ein sehr junges Publikum hier. Und unsere Fahrzeuge kommen hier exzellent an." Wobei sich Mercedes auf dem amerikanischen Markt traditionell mit BMW ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert.
Und auch Audi hole immer mehr auf, betont Audi-Chef Norbert Stadler: "Audi war in den letzten Jahren immer so die Nummer drei, obwohl wir in China bereits die Nummer eins sind. Jetzt haben wir in Europa die Nummer-eins-Position inne, und haben Mercedes auf Platz drei verwiesen. Wir sind hier Platz zwei." Sowohl Audi als auch BMW wollen in Detroit mit Pferdestärken punkten: BMW zeigt ein neues 4er-Coupé sowie einen M6 Gran Coupé mit 560 PS; und Audi präsentiert zwei PS-starke S-Modelle.
Amerikaner tun sich schwer mit Diesel
Weitaus schwerer tun sich die deutschen Hersteller, die Amerikaner vom Dieselmotor zu überzeugen. Auch wenn das Interesse gestiegen ist - Diesel gilt in den USA immer noch als Treibstoff für Trucker und ist noch dazu teurer als Benzin. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie startet deshalb in Detroit eine Kampagne für die Dieseltechnik, mit der man vor allem Berufspendler und Vielfahrer gewinnen will.
Stand: 14.01.2013 13:57 Uhr
