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Europäischer Filmpreis
Preisregen für "Liebe" von Michael Haneke
Michael Haneke hat erneut den Europäischen Filmpreis gewonnen. Drei Jahre nach seinem Erfolg mit "Das weiße Band" wurde die ARD-Koproduktion "Liebe" in den Kategorien Bester Film und Beste Regie ausgezeichnet. Auch seine Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva wurden geehrt.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
"Dies ist der 25. Europäische Filmpreis oder wie manche Leute in Amerika sagen - der 'Was'?" Moderatorin Anke Engelke traf mit ihrem Gag in Sachen Hollywood gleich zu Beginn der Preisverleihung den Nagel auf den Kopf – durch Veranstaltungen wie die gestern Abend in Malta möchte der europäische Film schließlich aus dem Schatten des übermächtigen amerikanischen Kinos heraustreten und seine Preisverleihung als eine Art europäische Oskarvergabe inszenieren.
Dafür fehlte in Valletta allerdings ein wenig der Glamour und die Spannung, nur das maltesische Fernsehen übertrug die Preisvergabe live. Und die lief vor allem auf einen Film hinaus, die ARD-Koproduktion "Liebe" des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. Er sagte nach der Auszeichnung für die beste Regie, der große Dank für diesen Film speziell, gehe natürlich an seine beiden Hauptdarsteller. Diese könnten leider heute nicht hier sein, "weil der eine heute Theater spielt und die andere krank ist, aber ohne die würde ich jetzt nicht hier oben stehen".
Vier Preise für das Drama "Liebe"
Die beiden Genannten, Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant wurden ebenfalls prämiert, als beste europäische weibliche und männliche Schauspieler. Insgesamt wurde "Liebe", ein Drama um Alter und Tod viermal ausgezeichnet und erhielt damit alle vier Hauptpreise, auch den wichtigsten: Den für den besten europäischen Film 2012. Michael Haneke sagte trocken, als er zum zweiten Mal die Bühne betrat, er hätte nicht gedacht, dass er so schnell noch einen Preis bekommen werde. Das war leicht untertrieben, denn sein Film, der schon in Cannes die goldene Palme erhalten hatte, galt als haushoher Favorit für die europäische Filmpreisverleihung.
Der Preis für das beste Drehbuch ging an "Die Jagd" von Thomas Vinterberg, für die beste Kamera und den besten Schnitt wurde "Shame" aus Großbritannien ausgezeichnet. "Dame König As Spion" aus Schweden erhielt die Preise für das beste Szenenbild und die beste Filmmusik. Die deutsche Produktion "Barbara" von Christian Petzold mit Hauptdarstellerin Nina Hoss ging leer aus.
Bernardo Bertolucci für sein Lebenswerk geehrt
Star des Abends war Bernardo Bertolucci, der den Ehrenpreis für sein Lebenswerk überreicht bekam. Er erinnerte in seiner Danksagung an die Anfänge des europäischen Filmpreises: "Was ich sagen kann, ist, dass ich vor 25 Jahren schon einmal auf dieser Bühne stand – nicht in Malta, aber in Berlin, und dort den ersten europäischen Filmpreis bekam – für den letzten Kaiser".
Bertolucci sitzt seit einer misslungenen Bandscheiben-OP im Rollstuhl, er spottete, als man ihn von der Bühne schob, das sei vielleicht die erste Szene von "Ziemlich beste Freunde 2". "Ziemlich beste Freunde" – die liebevolle und sehr erfolgreiche französische Komödie über einen Rollstuhlfahrer und seinen Pfleger hatte in Malta überraschenderweise keinen der Filmpreise bekommen.
Ansonsten: Ein paar wirre Dankesreden der Ausgezeichneten – einer wünschte "Sex for Everyone", ein anderer machte seiner Freundin einen Heiratsantrag – und eine sehr witzige Anke Engelke, die souverän durch die oft doch recht statische und ein bisschen provinziell wirkende Gala führte. "This is a (k)night to remember", sagte sie, in Ritterrüstung verkleidet – in Anspielung auf die Knights of Malta, die Malteser-Ritter. Oscar-Vergabe geht zwar anders - ein netter Abend war es trotzdem. Mehr aber nicht.
| Kategorie | Preisträger |
|---|---|
| Bester Film | "Liebe" von Michael Haneke |
| Beste Regie | Michael Haneke ("Liebe") |
| Beste Schauspielerin | Emmanuelle Riva ("Liebe") |
| Bester Schauspieler | Jean-Louis Trintignant ("Liebe") |
| Bestes Drehbuch | Thomas Vinterberg und Tobias Lindholm ("Die Jagd") |
| Beste Kamera | Sean Bobbitt ("Shame") |
| Beste Filmmusik | Alberto Iglesias ("Dame König As Spion") |
| Bester Schnitt | Joe Walker ("Shame") |
| Bestes Szenenbild | Maria Djurkovic ("Dame König As Spion") |
| Bester Dokumentarfilm | "Winternomaden" von Manuel von Stürler |
| Bester Animationsfilm | "Alois Nebel" von Tomás Lunák |
Stand: 02.12.2012 03:34 Uhr
