Seitenueberschrift
Kommentar
Vorschlag zum Kanzlergehalt
Steinbrücks politischer Selbstmord auf Raten
Von Christoph Lütgert, freier Journalist und ehemaliger NDR-Chefreporter
Was reitet den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück? Hat er nicht wenigstens einen Berater, der ihn am politischen Selbstmord auf Raten hindert? Nachdem er fragwürdig hohe Rednerhonorare kassiert hatte und den Imageschaden noch längst nicht repariert hat, will er jetzt das Gehalt des deutschen Kanzlers anheben - just zu jener Zeit, da er gerne selber Kanzler werden möchte. Vielleicht glaubt Steinbrück ja tatsächlich, dass er noch Chancen hat. Er mag objektiv mit seiner Kanzler-Gehalts-Initiative im Recht sein, nur kommt es eben bei manchem Vorschlag entscheidend darauf an, wer ihn macht.
Ich kann mich daran erinnern, und andere sicher auch, wie Steinbrück nach dem Wahldebakel von 2009 fröhlich posaunte, dann werde er jetzt eben mit Büchern und Reden richtig Geld verdienen. Das war alles völlig legal, und die Offenheit ehrt ihn. Aber Ankündigung und Realisierung der profitablen Vorhaben schienen den Rückzug des Ex-Finanzministers aus höchsten politischen Ämtern zu markieren. Nach dem jahrelangen politischen Opfergang eines Hochbegabten nun die gerechte Abkassiere. So hat Steinbrück es vielleicht gesehen.
Verwunderlich, mit welcher Chuzpe oder Naivität er das verdrängt oder vergessen haben musste, als er sich erneut auf den Schild heben ließ. Noch einmal: Die Spitzenverdienerei des Redners Peer Steinbrück war legal. Aber Glaubwürdigkeit, zumal als Spitzenmann einer Arbeiterpartei, verlangt mehr, als satte Vorteile einzuheimsen, auch mit buchstabengenauer Gesetzestreue.
Das alles ist unvergessen. Jetzt kommt Steinbrück wieder mit einem Vorschlag um die Ecke, einem Spitzenverdiener oder einer Spitzenverdienerin noch etwas mehr zuzuschanzen. Wann macht er sich für die deutschen Chefärzte stark, weil die gewiss nicht annähernd so viel verdienen wie unsere höchstbezahlten Fußball-Profis? Selbst wenn dieser Vergleich hinken sollte und Steinbrücks Vorstoß objektiv gerechtfertigt wäre, viele hätten damit kommen können, nur bitte nicht Peer Steinbrück. Bei dem denkt man doch schon jetzt und immer noch viel zu viel ans Geld.
Wer wagt da noch die Wette, dass der nächste deutsche Kanzler Peer Steinbrück heißen könnte?
Stand: 29.12.2012 22:34 Uhr
