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Kein Erfolgsjahr für die FDP und ihren Chef
Ein Mann auf der Suche nach dem Lichtlein
Er wollte liefern - und er lieferte: Wahlschlappen, Umfrage-Tiefststände und reihenweise schlechte Schlagzeilen. Für FDP-Chef Rösler und seine Partei war 2012 alles andere als ein gutes Jahr. Nicht nur Entwicklungshilfeminister Niebel opponiert gegen den glücklosen Vorsitzenden, der sich wohl nach der Wahl in Niedersachsen um seine Anschlussverwendung kümmern muss.
Von Peter Mücke, NDR, ARD-Hauptstadtstudio
Philipp Rösler und die FDP, das ist die Geschichte eines ganz großen Missverständnisses. Es begann am 13. Mai 2011, am Tag seiner Wahl zum Parteichef. "Liebe Wählerinnen und Wähler, ab heute wird die FDP liefern", kündigte Rösler damals an.
Seitdem haben Rösler und die FDP Wahlschlappen, Umfrage-Tiefststände und jede Menge schlechte Schlagzeilen geliefert. "Jetzt gilt es für die Beschäftigten, schnellstmöglich eine Anschlussverwendung zu finden", gab Rösler den frisch entlassenen Schlecker-Mitarbeiterinnen mit auf den Weg.
Der Mann, der ein Bambus war: Philipp Rösler
P. Mücke, ARD Berlin
29.12.2012 14:50 Uhr
Selbst aus Erfolgen werden Eigentore
Und selbst als die FDP zum Bundespräsidentenmacher wurde, machte der Parteichef per Talkshow noch ein Eigentor daraus. Als Markus Lanz ihn konfrontierte: "Plötzlich laufen diese Meldungen über die Agenturen, 'FDP legt sich auf Gauck fest' und Angela muss sozusagen aus der Presse dann erfahren, dass der Philipp was anderes vorhat", antwortet Philipp Rösler mit einem "Yepp, ja, was soll ich sagen, so war's". Das findet die Kanzlerin gar nicht lustig. Sowas dagegen schon: "Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen", sagte Merkel.
Als schwere Prüfung für die FDP empfinden viele in der Partei inzwischen auch Rösler. "Die eigene Führung muss seit 28 Monaten erklären, warum wir bei vier Prozent sind. Nicht ich, sondern die", lästerte Wolfgang Kubicki aus Kiel über die Parteispitze in Berlin. Und auf die Frage, ob er beim Parteitag im Mai Rösler noch einmal wählen wird, antwortete Kubicki: "Das ist eine interessante Frage. Wenn er kandidiert und ansonsten niemand kandidiert."
Bambus vs. Eiche
Viele andere hätten die Brocken schon hingeschmissen. Doch Rösler erträgt den Sturm um ihn mit fernöstlicher Gleichmut. "Der Bambus wiegt sich im Wind und biegt sich im Sturm, aber er bricht nicht", versicherte Rösler. Es sei denn, der Stamm wird angesägt. Und Rainer Brüderle ist schon kräftig dabei: "Glaubwürdigkeit gewinnt man, indem man sich nicht wie Bambusrohre hin und her bewegt, sondern steht wie eine Eiche. Deshalb ist die Eiche hier heimisch und nicht das Bambusrohr." Das gefällt der Basis. Und sollte sich die alte Eiche Brüderle zum Putsch entschließen, Bambus Rösler hätte keine Chance. "Wenn Du glaubst, es geht nichts mehr, dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her", versicherte Rösler.
Das einzige Lichtlein, das ihn noch retten könnte, müsste aus Niedersachsen kommen. Im Januar wird dort gewählt. Fliegt die FDP aus dem Landtag, und danach sieht es aus, müsste sich der Parteichef um seine eigene Anschlussverwendung kümmern. "Mein Papa hat immer gesagt, Politiker und gute Schauspieler müssen eins gemeinsam haben. Sie müssen dann gehen, solange das Publikum noch klatscht", sagte Rösler. Er hat diesen Zeitpunkt verpasst.
Ein Parteichef sammelt Ohrfeigen
Wenn es bei der FDP mal klatscht, dann handelt es meist eine Ohrfeige für den Parteichef, zum Beispiel aus Düsseldorf. "Die FDP ist auf dem Weg. Ja sicher ist die FDP auf dem Weg. Natürlich nach oben, das ist klar. Aber der Weg ist noch weit", lästerte der ehemalige Generalsekretär Christian Lindner. Noch so eine Eiche, eine junge noch dazu und für viele in Partei der Hoffnungsträger. Ein Hoffnungsträger, wie Rösler es auch mal war. Vor gut eineinhalb Jahren: "Die Menschen wollen von uns vor allem Ergebnisse, ich füge hinzu, liberale Ergebnisse und das zurecht liebe Wählerinnen und Wähler. Ab heute wird die FDP liefern."
Stand: 29.12.2012 15:38 Uhr
