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10.03.2010

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Inland
Deutsche Bundesbahn
Bahn räumt weitere massenhafte Überprüfung ein
Daten-Affäre bei der Deutschen Bahn weitet sich aus

Wurden alle Mitarbeiter überprüft?

Die Datenaffäre bei der Bahn weitet sich aus. Nach den bisher bekannten massenhaften Mitarbeiter-Überprüfungen in den Jahren 2002 und 2003 sind auch 2005 bei einer weiteren Aktion Daten von Beschäftigten abgeglichen worden. Konzernsprecher Oliver Schumacher bestätigte entsprechende Berichte der "Süddeutschen Zeitung" und der "Financial Times Deutschland".

Ließ die Bahn alle Mitarbeiter überprüfen?

Laut Bahn wurden im Jahr 2005 die Daten von etwa 173.000 Mitarbeitern überprüft. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge ließ der Konzern jedoch sämtliche Mitarbeiter überprüfen. Betroffen wären demnach knapp 220.000 Beschäftigten, wie die deutsche Presseagentur dpa aus Aufsichtsratskreisen erfuhr.

Zuvor hatte der Vorstandschef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, Fehler in der Affäre um den Datenabgleich eingestanden. "Aus heutiger Sicht waren wir hier übereifrig", schrieb er in einem Brief an die Mitarbeiter. Es habe "eine falsch verstandene Gründlichkeit" gegeben. Der Vorsitzende der Bahn-Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, erneuerte daraufhin seine Forderung nach einer Entschuldigung Mehdorns. Der Brief an die Beschäftigten reiche nicht aus, sagte er.

Bedauern - aber keine Entschuldigung

Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Wir waren übereifrig": Bahnchef Hartmut Mehdorn räumt Fehler ein. ]
Das Staatsunternehmen Deutsche Bahn hatte vor knapp einer Woche zugegeben, dass es zwischen 1998 und 2007 die Daten von Führungskräften aber auch einfacher Mitarbeiter mit denen von Zulieferfirmen abgleichen ließ. Mit der Überprüfung der insgesamt 173.000 Beschäftigten sollte festgestellt werden, ob diese in Verbindung mit den Firmen standen. Dies hätte nach Angaben der Bahn ein Hinweis auf Korruption sein können.

Nun räumte Mehdorn ein: Für eine "grundsätzlich sinnvolle und zulässige Maßnahme zur Korruptionsbekämpfung" sei der Kreis der einbezogenen Personen zu weit gezogen worden. Auch sei es ein Fehler gewesen, dass über das Vorgehen nicht mit Arbeitnehmervertretern gesprochen und es nicht klar geregelt worden sei. "Wenn dadurch der Eindruck entstanden sein sollte, der Vorstand misstraue den Mitarbeitern, dann bedaure ich das ausdrücklich", schrieb der Bahn-Chef. Er betonte noch einmal, dass niemand "ausspioniert, abgehört oder bespitzelt worden" sei.

Massiver Druck aus Berlin

Der Druck auf Mehdorn war in den vergangenen Tagen ständig gewachsen. Die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA hatten eine Entschuldigung verlangt. Aus den Reihen der Opposition waren auch Rücktrittsforderungen laut geworden.

Bereits am Montag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls gefordert und sich damit hinter Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee gestellt. Dieser kritisierte erneut den Umgang der Bahnführung mit der Affäre. "Es dauert zu lange, und es kommt nicht konsequent und im Ganzen ans Tageslicht", kritisierte er die Aufklärungsarbeit bei der Bahn. Er verwies darauf, dass er bereits im vergangenen Sommer umfassende Berichte verlangt habe, bislang aber "noch lange nicht genug Informationen" erhalten habe, um die Aktionen richtig einschätzen zu können.

Daher sei es auch unverständlich, so Tiefensee weiter, dass Mehdorn sogar eine neue Massenüberprüfung der Mitarbeiterdaten für möglich halte: "Das kann man eigentlich erst, wenn man weiß, wie es gemacht wurde."

Auch Telekom überprüfte Mitarbeiter

Silhouette des Telekom-Logos (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Anderes Unternehmen, gleiches Vorgehen: Auch die Telekom überprüfte Mitarbeiter ]
Unterdessen soll auch die Deutsche Telekom Daten von Mitarbeitern mit denen ihrer Geschäftspartner abgeglichen haben. Wie das Hamburger Magazin "Stern" berichtet, habe die Telekom auf Anfrage seiner Online-Redaktion mitgeteilt, dass die Bankverbindungen der Lieferanten im Zuge der Betrugsbekämpfung "zu Testzwecken" mit den Lohn- und Gehaltskonten der Belegschaft verglichen worden seien. Das Unternehmen habe keine konkreten Angaben über die Zahl der betroffenen Mitarbeiter gemacht, so der "Stern". Die Personaldaten seien dem Unternehmen zufolge beim Abgleich aber anonymisiert worden.

Nach Recherchen der Frankfurter Rundschau waren bei der Überprüfung im Frühjahr 2006 mehr als 100.000 Mitarbeitern betroffen. Anders als von der Telekom behauptet, war der Betriebsrat über das Ausmaß der Überwachung offenbar nicht informiert.

Stand: 03.02.2009 19:28 Uhr
 

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