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Der Ben-Ali-Clan häufte riesige Reichtümer an - im Vordergrund ein Lamborghini.

Tunesien versteigert Ben Alis Reichtümer

Der Diktator und sein Lamborghini

Schnelle Autos, schicke Häuser, teurer Schmuck: Der Ben-Ali-Clan in Tunesien hat es sich jahrzehntelang gutgehen lassen - auf Kosten der Bevölkerung. Nun versteigert die Übergangsregierung die Reichtümer. Es ist die größte Auktion, die es in Tunesien jemals gegeben hat. Unvorstellbar, was da ans Licht und unter den Hammer kommt.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Luxuskarossen, Diamanten, Perlen, goldene Statuen, sündhaft teurer Kitsch: In der Ausstellungshalle in einem Nobelvorort von Tunis blinkt und glitzert es wie in einer Schatzkammer aus Tausendundeiner Nacht. Mehrere zehntausend Objekte waren im Palast des gestürzten Präsidenten Ben Ali konfisziert worden. Nun kommt alles unter den Hammer, was keinen kulturhistorischen Wert hat.

Ben Ali und seine Frau Leila
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Ben Ali und seine Frau Leila (Archivbild)

Seit Weihnachten können die Tunesier bestaunen, was der Präsidenten-Clan in 23 Jahren Herrschaft so alles angehäuft hat. Der Andrang ist groß, maximal 500 Besucher pro Tag sind zugelassen. Der Eintritt kostet stolze 15 Euro. Die Studentin Yasmin hat das Geld gern investiert: "Das ist alles so luxuriös, königlich, wie ein Traum", schwärmt sie. "Wissen Sie, ich will gar nicht mehr nach Hause, ich würde am liebsten hierbleiben!"

Tunesien versteigert Ben Alis Reichtum
A. Göbel, ARD Rabat
28.12.2012 08:15 Uhr

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Pelzmäntel, Designhandtaschen, Seidenteppiche

Kaufen wird Yasmin nichts. Aber sie will sehen, wo das Geld des Volkes all die Jahre hingeflossen ist. Brillantbesetzte Uhren und persische Seidenteppiche im Wert von mehr als 12.000 Euro pro Stück gibt es im Direktverkauf genauso wie die Garderobe der Präsidentengattin Leila Trabelsi.

Designerhandtaschen, Pelzmäntel und maßgefertigte italienische Schuhe sind schon ab umgerechnet 150 Euro zu haben - viel günstiger als zum Neupreis, aber immer noch so teuer wie ein monatlicher Mindestlohn in Tunesien. Die Besucher sind sprachlos, viele sind auch ein bisschen angewidert von der unfassbaren Raffgier. "Ich wollte mir das nur mal anschauen, aber ich werde nichts kaufen", sagt eine Besucherin. "Ich trage ungern die Kleider anderer Leute, und schon gar nicht die der ehemaligen First Lady."

Diese Luxusuhren, die der Familie von Tunesiens Ex-Präsident Ben Ali gehörten, wurden ausgestellt.
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Neben Teppichen und Schmuck stehen auch diese Luxus-Stehuhren zum Kauf.

Gezeigt wurden Schuhe und Handtaschen von Ben-Ali-Gattin Leila Trabelsi.
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Allein die Garderobe von Ben-Ali-Gattin Leila Trabelsi ist ein Vermögen wert.

Die tunesische Oberschicht auf Schnäppchenjagd

Wer hier kauft, bleibt lieber diskret. Die tunesische Oberschicht tummelt sich bei der Schnäppchenjagd, aber auch aus dem Ausland kommen Interessenten. Am eigens eingerichteten Bankschalter steht ein afrikanischer Banker, der seinen Tunesienaufenthalt zum Einkauf nutzt, und plauscht mit dem Kassierer. Er ist bereits zum zweiten Mal in der Ausstellung und hat die Preise der Objekte im Internet verglichen.

"Ich gratuliere den tunesischen Behörden, wie sie das organisiert haben", sagt er. "Die Preise sind wirklich gut. Diese Tasche von Luis Vuitton zum Beispiel - die Preise sind um 15 bis 20 Prozent niedriger als auf dem normalen Markt. Ich bin wirklich beeindruckt." Was über einem geschätzten Wert von rund 2500 Euro liegt, wird an den meistbietenden Interessenten verkauft.

Die Hauptattraktion neben den Juwelen: die mehr als 40 Autos der Präsidentenfamilie. Darunter sind ein Aston Martin, ein Lamborghini Gallardo, ein Ferrari, ein Bentley Continental, ein Mercedes McLaren und ein Maybach 62, der über eine halbe Million Euro teuer sein soll: fast alles Sonderanfertigungen für die Präsidentenfamilie. Mit dem Maybach 62 soll übrigens Jean Todt liebäugeln, der Präsident des Internationalen Motorsportverbandes.

Der Ben-Ali-Clan häufte riesige Reichtümer an - im Vordergrund ein Lamborghini.
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Mehr als 40 Autos werden versteigert - ein Lamborghini...

Mehr als 40 Autos stehen zum Verkauf.
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...ein Maybach und mehrere weitere Luxuskarossen.

Erhoffter Erlös: Zehn Millionen Euro

Insgesamt hofft Ausstellungsleiterin Afef Douss auf rund zehn Millionen Euro Einnahmen. "Wir hatten nicht mit so viel Luxus gerechnet. Wir waren alle überrascht. Dass Präsidenten edle Besitztümer haben, ist ja nicht überraschend - aber die schiere Menge schon", sagt er. "In gewisser Weise kann man sagen, dass diese Leute für Tunesien etwas angespart haben. Ben Ali wusste ja nicht, dass er einfach so verschwinden würde und das alles dem tunesischen Staat überlassen bliebe."

Den Erlös kann Tunesien dringend brauchen. Die Wirtschaft kränkelt, die Staatseinnahmen und Devisenreserven sinken. Das Geld aus dem Verkauf fließt direkt in den Haushalt 2013. Doch dabei handelt sich nur um einen Bruchteil des Vermögens der Familie. Fast 400 Firmen wurden nach der Revolution unter die Treuhänderschaft des Staates gestellt, darunter Mobilfunkanbieter und Konzessionshändler internationaler Autofirmen. Diese werden nach und nach verkauft.

Doch auf die Ben-Ali-Milliarden, die auf ausländischen Konten liegen, wartet Tunesien bisher vergeblich. Und Ben Ali selbst - zu 35 Jahren Haft verurteilt - verfolgt die Versteigerung aus dem "sicheren" Exil in Saudi-Arabien.

Dieser Beitrag lief am 28. Dezember 2012 um 06:40 Uhr bei Deutschlandradio Kultur.

Stand: 28.12.2012 09:32 Uhr

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