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Anhänger der islamistischen Ennahda-Partei gehen in Tunis auf die Straße.

Regierungskrise in Tunesien

Sehnsucht nach dem starken Mann

Ist nach Dschebali vor Dschebali? In Tunesien läuft die Suche nach einem neuen Ministerpräsidenten auf Hochtouren - und auch der Name des abgetretenen Premiers fällt dabei. Je unübersichtlicher die Lage an der Staatsspitze wird, desto stärker sehnen sich die Tunesier nach einem starken Mann.

Von Stefan Ehlert, ARD-Studio Nordwestafrika

In Tunis soll Bewegung in die politische Landschaft gekommen sein. Am Tag nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Hamadi Dschebali zeigten sich führende Vertreter verschiedener Parteien sowie Präsident Moncef Marzouki selbst optimistisch, dass es schon bald eine neue Regierung geben könnte.

Präsident Marzouki empfängt Ennahda-Chef Ghannouchi.
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Präsident Marzouki spricht mit Ennahda-Chef Ghannouchi.

Doch noch ist die Suche nach dem starken Mann, der den tunesischen Knoten lösen könnte, nicht beendet. Präsident Marzouki traf Ennahda-Chef Partei Rachid Ghannouchi. Er ist der Königsmacher, doch wen Ghannouchi auf den Schleudersitz des Ministerpräsidenten heben wird, bleibt bis zur Stunde unklar. "Wir brauchen noch Zeit", sagt Präsidentensprecher Adnen Mansar. "Bis jetzt steht es noch nicht fest, wer die Persönlichkeit sein könnte, die eine Mehrheit findet innerhalb der größten Partei der Verfassungsgebenden Versammlung. Diese Angelegenheit bedarf noch des Meinungsaustauschs. Wir hoffen, dass das Bild heute oder morgen klarer sein wird."

Wird es Gesundheitsminister Abdelatif Mekki? Oder doch wieder Hamadi Dschebali, der doch gerade eben erst zurückgetreten ist? Dschebali ist immerhin die Nummer zwei der Islamistenpartei-Partei Ennahda.

Taktische Manöver hinter den Kulissen

Alles sei möglich, glauben viele Tunesier. Die taktischen Manöver hinter den Kulissen verstehen sie schon lange nicht mehr. Den abgetretenen Premier Dschebali halten viele noch lange nicht für abgemeldet. "Ich finde, dass das alles eine große Maskerade ist. Er hat ja schon öfter seinen Rücktritt angekündigt. Wir werden sehen, ob er am Ende an dem Versprechen festhält", sagt ein Mann.

Tunesiens Suche nach dem starken Mann
S. Ehlert, ARD Rabat
20.02.2013 17:15 Uhr

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Seit Monaten schwelt in Tunesien eine Staats- und Regierungskrise, von der wirtschaftlichen Misere ganz abgesehen. Das Land hat keine Verfassung, kein Parlament und derzeit auch keinen Regierungschef. Hinzu kam der politische Mord an dem Oppositionellen Chokri Belaid vor zwei Wochen.

Ein bisschen viel auf einmal

Hamadi Dschebali
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Hamadi Dschebali wollte eine Expertenregierung bilden - und ist gescheitert.

Es ist ein bisschen viel auf einmal für die Tunesier. Und so ist es vielleicht kein Wunder, dass manche Premier Dschebali und seinen gescheiterten Plänen von einem parteilosen Expertenkabinett keine Träne hinterherweinen: "Ich finde das gut, denn es zeigt, dass so eine Expertenregierung in Tunesien keine Zukunft hat", sagt ein Passant in Tunis. "Hoffentlich wird es mit seinem Nachfolger besser. Am liebsten hätte ich Beji Caid Essebsi. Warum? Weil der am meisten Erfahrung hat, und in dieser Situation kann uns nur Essebsi helfen."

Essebsi, 84 Jahre alt und Premier in den bewegten Monaten nach dem Ende der Diktatur, steht für eine Sammlungsbewegung namens Tunesiens Appel, Nida Tounes. Doch da er während der Diktatur unter Ben Ali Jahrzehnte zum politischen Establishment gehörte, halten ihn viele für vorgestrig. Andere hoffen gerade deshalb auf den alten Mann.

Je unübersichtlicher die Lage an der Staatspitze wird, desto mehr setzen die Menschen auf bekannte Gesichter statt auf Parteiprogramme: "In Tunesien sind solche Sachen neu für die Leute und man hat hier in der Tat eine Tendenz, an der Person festzuhalten statt an einer Ideologie." Essebsi, Dschebali oder Mekki? Schon bald wird ein Name genannt werden. Das Gute an der derzeitigen Lage: Tunesiens Parteien müssen wieder miteinander sprechen, keine kann allein regieren. Das Ziel der  Macht ist nur auf dem Weg des Dialogs zu erreichen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Februar 2013 um 20:00 Uhr.

Stand: 20.02.2013 18:09 Uhr

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