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In der zentralsyrischen Stadt Homs sind am späten Abend nach Angaben von Menschenrechtlern und der Opposition mindestens 300 Menschen durch Mörserfeuer von Regierungstruppen getötet worden. Der arabische Nachrichtensender Al Arabija berichtete unter Berufung auf lokale Koordinierungskomitees von mehr als 330 Toten und 1300 Verletzten.
Der Leiter der in London ansässigen Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul Rahman, sagte, es habe ein "regelrechtes Massaker" stattgefunden.
Die arabischen Nachrichtensender Al Arabija und Al Dschasira zeigten Bilder von Dutzenden Leichen. Ein Arzt in einem Krankenhaus erklärte, es würden dringend Blutspenden benötigt. "Wir sehen uns einer Tötungsmaschine gegenüber, Menschen sterben", sagte er Al Dschasira am Telefon. Die Soldaten von Präsident Baschar al Assad würden Mörsergranaten abschießen, hieß es auch dort.
Die syrische Führung dementierte die Berichte. Die toten Zivilisten, die in den Berichten mehrerer Satellitenfernsehsender zu sehen gewesen seien, seien "von bewaffneten Männern entführt und getötet" worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Sana. Die Führung in Damaskus macht immer wieder "Terroristen" für die anhaltende Gewalt im Land verantwortlich. Den Fernsehsendern warf Damaskus in dem Bericht vor, mit den Bildern zu neuer Gewalt "anzustiften".
Aufgebrachte Syrer stürmten in der vergangenen Nacht in der ägyptischen Hauptstadt Kairo die syrische Botschaft, um gegen die jüngste Gewalt in ihrem Land zu protestieren. Der Eingang des Botschaftsgebäudes wurde demoliert, Mobiliar und Computer zerstört, der erste Stock war teilweise ausgebrannt, wie ein Reuters-Korrespondent berichtete. Zu ähnlichen Aktionen war es zuvor auch in Großbritannien, Deutschland und den USA gekommen.
Unterdessen will der UN-Sicherheitsrat trotz einer russichen Vetodrohung noch heute über eine Syrien-Resolution entscheiden. Marokko hat für 9.00 Uhr Ortszeit, 15.00 Uhr MEZ, eine Sondersitzung beantragt und will seinen Entwurf dann zur Abstimmung bringen, hieß es von westlichen Diplomaten.
[Bildunterschrift: In Homs sollen mehr als 330 Menschen durch Mörserfeuer getötet worden sein. ]
Nur wenige Stunden zuvor hatte die Vetomacht Russland mitteilen lassen, sie wolle das auch von ihrem Botschafter ausgehandelte Papier nicht mittragen. Der russische Verteidigungsminister Sergej Lawrow kündigte an, er werde Ergänzungsvorschläge machen und drohte mit einem "Skandal", wenn die geplante Resolution zur Abstimmung komme. Russland kann mit seinem Veto jede noch so starke Mehrheit überstimmen und hat das in der Vergangenheit auch getan, um jede Kritik an seinem Waffenkunden Syrien zu unterbinden. Auf russisches Drängen war der von Arabern und Europäern eingebrachte Entwurf bereits verwässert worden, die Ächtung des Waffenhandels, der Ruf nach freien Wahlen und die Ablösung von Präsident Assad fand sich nicht mehr in dem Kompromiss. "Unser Standpunkt wurde ungenügend berücksichtigt", hatte Russlands Vizeaußenminister Gennadi Gatilow dennoch gesagt.
Marokkos Schritt kommt überraschend, weil allgemein mit weiteren Verhandlungen gerechnet worden war. Unklar ist, ob die Araber nun einfach eine Entscheidung wollen und notfalls Russlands Veto in Kauf nehmen.
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