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Von Reinhard Hübsch, SWR-Kulturkorrespondent
Die Rechtschreibreform wird kommen, das ist so sicher wie das "daß" mit Doppel-ss. Es gibt einen rechtlich verbindlichen Beschluss der Kultusministerkonferenz, und wer auf die Idee kommen sollte, in letzter Instanz gar das Bundesverfassungsgericht zu bemühen, dem muss gesagt werden, dass das Karlsruher Gericht bereits im Juli 1998 eine Beschwerde gegen die Reform zurückgewiesen hat. Wenn nun also einzelne Ministerpräsidenten - die in dieser Frage gar keine Zuständigkeit haben - gegen die Reform ebenso murren wie die Kulturstaatsministerin im Kanzleramt, dann wird das folgenlos bleiben.
Die Reform zurückzunehmen, das kann sich niemand leisten: die Politiker nicht und die Verlage nicht. Die Kultusminister der Länder nicht, weil ihre Glaubwürdigkeit damit auf dem Spiel steht, nach den jahrelangen Debatten und Verhandlungen - die ja übrigens auch auf zwischenstaatlicher Ebene stattfanden, denn die Reform gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz.
Leisten können es sich aber auch die Verlage nicht: Eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung wäre für die Schulbuchverlage eine Katastrophe und würde Kosten von 250 bis 260 Millionen Euro verursachen. Länder und Kommunen müssten dann übrigens neue Schulbücher anschaffen - dazu sind sie gar nicht in der Lage: Die öffentlichen Ausgaben für Schulbücher sind von 400 Millionen Euro im Jahr 1991 auf 250 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesunken.
Nein, die Reform ist nicht rückholbar, auch wenn wir, wenn Sie und ich das wünschen, auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung das will - und nach einer Emnid-Umfrage sind drei Viertel aller Befragten gegen die Reform. Aber was wird sich ändern? Nicht viel. Gut, die Schülerinnen und Schüler werden ab August 2005 auf die neue Schreibweise, auf die neue Zeichensetzung verpflichtet sein - aber letztlich entscheiden die Lehrerinnen und Lehrer, wie sie Fehler gewichten.
Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller werden, wie in den vergangenen Jahren, schreiben, wie es ihnen gefällt: daß mit ß, Mayonnaise und Portemonnaie - wenn sie es wollen - so, daß man die Herkunft des Wortes noch erahnen kann. Und sie werden auch weiterhin Schreibweisen finden, die von keinem Duden gedeckt sind, wenn es künstlerisch sinnvoll ist. Und wenn die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und BILD zukünftig die alte Rechtschreibung bevorzugen, wird ihnen das niemand verbieten können. So werden wir also zukünftig mindestens zwei Schreibkulturen nebeneinander lesen. Und mehr. Die Aufgeregtheit um die Rechtschreibreform ist also grundlos: Sie wird kommen - und mancher wird noch in 30 Jahren dass mit ß schreiben.
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