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Vor zwei Jahren zogen die USA gegen den Irak in den Krieg, und noch immer kämpfen sie dort. Für die Freiheit, wie US-Präsident Bush sagt. Deshalb seien auch die Opfer, die vielen toten und verletzten US-Soldaten, nicht vergeblich, meint der Präsident. Nicht alle sind davon so überzeugt wie er.
Von Carsten Schmiester, NDR-Hörfunkkorrespondent, Washington
Mehr als 1500 tote und über 11.000 verletzte US-Soldaten im Irak, nicht zuletzt diese Zahlen haben zwei Jahre nach Kriegsbeginn dafür gesorgt, dass sich das Bild in den Staaten gewandelt hat: In den Umfragen sprechen sich heute 53 Prozent der Befragten gegen den Krieg aus, vor zwei Jahren waren es nur 27 Prozent. Der Anteil der Befürworter schrumpfte von 70 Prozent auf 45. Amerika zweifelt am Krieg - nur nicht Präsident George W. Bush.
[Bildunterschrift: US-Präsident George W. Bush (Archivbild) ]
Der rühmt unbeirrt die Verdienste seines Landes: "Die Unsicherheit und die Sorgen der vergangenen Jahre waren nicht vergeblich. Millionen sind befreit worden, weitere Millionen werden folgen." Kämpferisch fügt der Präsident hinzu: "Die Trompete der Freiheit ist erklungen, und sie ruft niemals zum Rückzug."
„Freiheitstrompeter“ Bush bläst also weiter zum Angriff, wenn auch leiser. Nicht nur politische Vernunft hat ihn zur Kursänderung etwa in der Iran-Frage gebracht. Dass Amerika plötzliche Verhandlungen mit Teheran über das iranische Atomprogramm unterstützt, liegt auch daran, dass Bush für neue Kriege schlicht das Geld und die Soldaten fehlen. Das ändert aber nichts an seinem Ziel, im Iran wie auch im Irak, im Libanon und am liebsten auch in Syrien der Demokratie zum Durchbruch zu verhelfen. Das ist nach wie vor der Kern der neokonservativen US-Antiterrorpolitik.
Wissenschaftler Rashid Khalidi von der Columbia University hat Zweifel an dieser Politik. Zwar sieht er Fortschritte in einigen dieser Länder, deshalb aber keinen Grund, Bush zu loben. "Wenn irgendwer Lob verdient hat, dann sind es die Iraker, die Bush gezwungen haben, das Richtige zu tun", meint er - und führt ein weiteres Beispiel an: "Im Fall Palästina haben die USA nichts unternommen, um die Dinge voranzutreiben. Das taten die Palästinenser selbst."
Andere Experten sehen die Sache positiver und sind der amerikanischen Regierung dankbar. Wie Professor Fuad Ajama von der Johns Hopkins University. "Die Bush-Regierung hat den Sprung ins Ungewisse gewagt. Es bleiben Zweifel, doch Amerika vertraut der Demokratie heute mehr als es das früher getan hat", lobt er.
[Bildunterschrift: US-Soldaten im Irak (Archivbild) ]
Allerdings bleibt die Zukunft im Irak weiter ungewiss. Fest steht nur, dass wohl noch lange Zeit amerikanische Soldaten dort bleiben müssen, um gegen die geschätzten 50.000 Rebellen zu kämpfen. Sie müssen ausharren im Kampf für die Freiheit und auch - spätestens seit dem Folterskandal im Abu-Ghraib-Gefängnis - im Kampf gegen die eigene Unglaubwürdigkeit.
Das kritische öffentliche Radio "NPR" hat gestern ein Interview mit dem kurz vor dem zweiten Jahrestag des Irakkrieges verstorbenen legendären US-Diplomaten George F. Kennan wiederholt, als Mahnung. Ein Reporter hatte den Begründer der "Eindämmungspolitik" gegenüber der ehemaligen Sowjetunion am Ende des Kalten Krieges nach dem besten Weg gefragt, Demokratie zu verbreiten. Die Antwort wirkt auch heute noch sehr aktuell. "Es ist eine Sache, wenn wir selbst zeigen, was in einer Demokratie möglich ist – nichts ist nützlicher. Etwas ganz anderes ist es, wenn wir den Eindruck erwecken, uns für überlegen zu halten und verlangen, dass andere lernen müssen, wie wir zu sein."
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