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Französische Familie in Kamerun verschleppt
Neue Entführung im Schatten der Mali-Mission
In Kamerun sind drei Erwachsene und vier Kinder aus Frankreich verschleppt worden. Hinter der Tat werden islamistische Terroristen aus Nigeria vermutet. Entführungen wie diese drohen für Frankreich während seiner Mali-Mission zur traurigen Routine zu werden.
Von Stefan Ehlert, ARD-Studio Nordwestafrika
Es ist eine böse Premiere für das westafrikanische Kamerun. Erstmals sind dort westliche Touristen entführt worden - und wieder traf es Franzosen. Frankreichs Präsident François Hollande selbst äußerte sich am Rande einer Griechenlandreise zu den wenigen Details, die bis dahin bekannt waren: "Ich habe erfahren, dass sieben Mitbürger in Kamerun entführt wurden, drei Erwachsene und vier Kinder aus derselben Familie."
Auf Elefantensafari im Nationalpark Waza sei die Familie gewesen - nur ein Katzensprung von der nigerianischen Grenze entfernt, hieß es in Botschaftskreisen in Yaoundé. Auf dem Rückweg hätten die Entführer zugeschlagen, sie seien auf Motorrädern unterwegs gewesen. Bislang übernahm noch niemand die Verantwortung für das Verbrechen.
Französische Touristen in Kamerun verschleppt
S. Ehlert, ARD Rabat
19.02.2013 19:27 Uhr
Terroristen von Boko Haram unter Verdacht
Nigerias gefürchtete Terrorgruppe Boko Haram könnte hinter der jüngsten Geiselnahme stecken - und das auf kamerunischem Territorium. Das schmutzige Geschäft der Entführungen breitet sich in der Region aus wie ein Geschwür. Boko Haram bedeutet so viel wie "Westliche Erziehung ist Sünde". Seit rund zehn Jahren setzt sich die Gruppe für eine Islamisierung von Nigerias Norden ein.
Auf ihr Konto gehen zahlreiche tödliche Anschläge auf Kirchen sowie Entführungen und Morde. Immer wieder war davon auch die Stadt Maiduguri betroffen - sie liegt nur unweit des Waza-Nationalparks auf der nigerianischen Seite der Grenze. Die Gruppe soll in den Nachbarländern über Verbindungsleute verfügen, auch in Kamerun.
"Wir sind im ständigen Kontakt mit den Behörden in Kamerun und Nigeria", sagte der französische Außenminister Laurent Fabius. "Und wie immer tun wir das Äußerste - in aller Diskretion und Entschiedenheit - um zu versuchen, unsere Mitbürger wiederzubekommen."
15 Franzosen in Afrika entführt
Der Umgang mit solchen Entführungen droht zu einer traurigen Routine zu werden. Französische Agenturen rechneten aus, dass sich derzeit schon 15 Franzosen in der Hand afrikanischer Geiselnehmer befinden. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass sich die Terrorgruppen des Sahel als Reaktion auf Frankreichs Mali-Intervention verstärkt auf solche Methoden der Kriegsführung verlegen. Allein in Mali sollen sich noch sieben Geiseln in der Hand von Al-Kaida im Maghreb befinden.
Frankreichs Staatchef versichert trotzdem, dass die Mission in Mali fortgesetzt werde. Er teilte außerdem mit, dass es unter den franzöischen Soldaten ein Todesopfer gegeben habe: Ein Fallschirmjäger der Fremdenlegion sei bei einem heftigen Gefecht in Nordmali getötet worden. Es ist das zweite Todesopfer in den französischen Reihen seit Beginn des Krieges am 11. Januar.
Hollande: Mali-Mission geht weiter
Erneut bat Hollande ausdrücklich um internationale Hilfe: "Frankreich ist in Mali. Frankreich wird seine Aktion bis zum Ende fortsetzen. Aber gleichzeitig ist es die Gesamtheit der Internationalen Gemeinschaft, die gegen den Terrorismus kämpfen muss, denn den gibt es nicht nur in Mali."
Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden die Opfer der jüngsten Geiselnahme inzwischen aus Kamerun nach Nigeria verschleppt. Doch solange die Entführer ihre Identität nicht preisgeben, gibt es auch niemanden, mit dem man über die Freilassung der Touristen verhandeln könnte.
Stand: 19.02.2013 21:40 Uhr
